Begriff

Vorgang (Schauspiel)

Ein Vorgang bezeichnet in der Schauspiel- und Regieausbildung das, was zwischen den Figuren einer Szene tatsächlich geschieht: ihr handelndes Sich-in-Beziehung-Setzen zueinander in einer Situation. Man spricht auch vom schauspielerischen oder szenischen Vorgang. Der Begriff erscheint etwa in Lehrplänen deutscher Schauspiel- und Regiestudiengänge.

Das Glossar des Modulhandbuchs für den Bachelorstudiengang Schauspiel der Hochschule für Musik und Theater München bestimmt schauspielerische Vorgänge in der Fassung von 2015 auf diese Weise. Den Vorgang zu bestimmen dient demnach dazu, konkret festzulegen, was zu spielen oder zu proben ist. Im Vorgang wird die Geschichte formuliert, die auf der Probe erprobt und dem Publikum handelnd erzählt wird. Als Kriterien für eine solche Vorgangsformulierung nennt das Glossar aktive Verben und eine Beschreibung ohne Kommentar, aber von einem wertenden Standpunkt aus. Wichtiger als das, was in den Figuren vorgeht, ist danach das, was zwischen ihnen vorgeht. An der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ ist die Vorgangsanalyse Gegenstand der Regieausbildung; das Vorlesungsverzeichnis für das Wintersemester 2025/26 verbindet sie mit den Fragen nach Situation, Vorgang und Drehpunkt.

In einem fiktiven Beispiel lässt sich eine Szene als Vorgang so formulieren: Eine Mieterin bittet den Vermieter um Aufschub, er lehnt ab, sie droht mit einem Anwalt, er lenkt ein. Ein Szenenbeat bezeichnet dagegen eine Sinneinheit innerhalb einer Szene, eine Spielhandlung das zweckgerichtete Tun einer einzelnen Figur, die ein Ziel verfolgt. Der Vorgang beschreibt das Geschehen zwischen den Beteiligten im Zusammenhang. Mit „inneren Vorgängen“ im alltäglichen Sinn, also Gedanken und Gefühlen einer Figur, ist er nicht gleichzusetzen.

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