(Bruder Lorenzos Zelle in Verona. Romeo hat Julias Vetter Tybalt im Zweikampf getötet und sich hier versteckt. Lorenzo bringt das Urteil des Fürsten: Verbannung.)
- Verbannung? Sei barmherzig! Sage: Tod!
- Verbannung trägt der Schrecken mehr im Blick,
- Weit mehr als Tod! – O sage nicht Verbannung!
[…]
- Die Welt ist nirgends außer diesen Mauern;
- Nur Fegefeuer, Qual, die Hölle selbst.
- Von hier verbannt ist aus der Welt verbannt,
- Und solcher Bann ist Tod: Drum gibst du ihm
- Den falschen Namen. – Nennst du Tod Verbannung,
- Enthauptest du mit goldnem Beile mich,
- Und lächelst zu dem Streich, der mich ermordet.
[…]
- Nein, Folter – Gnade nicht! Hier ist der Himmel,
- Wo Julia lebt, und jeder Hund und Katze
- Und kleine Maus, das schlechteste Geschöpf,
- Lebt hier im Himmel, darf ihr Antlitz sehn;
- Doch Romeo darf nicht. Mehr Würdigkeit,
- Mehr Ansehn, mehr gefäll’ge Sitte lebt
- In Fliegen, als in Romeo. Sie dürfen
- Das Wunderwerk der weißen Hand berühren,
- Und Himmelswonne rauben ihren Lippen,
- Die sittsam, in Vestalenunschuld, stets
- Erröten, gleich als wäre Sünd’ ihr Kuss.
- Dies dürfen Fliegen tun, ich muss entfliehn;
- Sie sind ein freies Volk, ich bin verbannt.
- Und sagst du noch: Verbannung sei nicht Tod?
- So hattest du kein Gift gemischt, kein Messer
- Geschärft, kein schmählich Mittel schnellen Todes,
- Als dies verbannt, zu töten mich? Verbannt!
- O Mönch! Verdammte sprechen in der Hölle
- Dies Wort mit Heulen aus: hast du das Herz,
- Da du ein heil’ger Mann, ein Beicht’ger bist,
- Ein Sündenlöser, mein erklärter Freund,
- Mich zu zermalmen mit dem Wort Verbannung?
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