Begriff

Sprechausdruck

Sprechausdruck bezeichnet in der Sprechwissenschaft die hörbare Gestaltung einer Äußerung mit stimmlichen und sprecherischen Mitteln. In einem sprechwissenschaftlichen Aufsatz von 2001 fasst Ines Bose den Begriff als Oberbegriff für konventionelle Gestaltungsweisen und -muster im Sprechschall. Dazu gehören Merkmale wie Stimmhöhe, Lautheit, Stimmklang, Sprechgeschwindigkeit und Artikulation sowie Merkmalskomplexe wie Akzentuierung, Gliederung, Rhythmus und Sprechspannung. Das Glossar des Münchner Schauspielstudiengangs bestimmt Sprechausdruck in der Fassung von 2015 als „Widerspiegelung der inhaltlich-gedanklichen Differenzierung durch stimmlich-sprachliche Mittel“.

Jede Sprechweise enthält individuelle und situative Anteile. Bose verweist dabei auf Eberhard Stock (1987), der physiognomischen Ausdruck, also angeborene und gewohnheitsmäßige Gestaltungsweisen, von pathognomischem, situativ bedingtem Ausdruck unterscheidet. Zuhörende beurteilen eine Sprechweise in einer bestimmten Situation deshalb vor dem Hintergrund der gewohnten Sprechweise einer Person. Das Münchner Glossar nennt die individuelle Erscheinungsweise von Stimme und Sprechweise eines Menschen Sprechphysiognomie; als Lehrinhalt führt das Modulhandbuch den Weg „von der eigenen Sprechphysiognomie zur Figur“.

Die Prosodie umfasst Betonung, Sprechmelodie, Rhythmus und Pausen. Bose beschreibt den Sprechausdruck ausdrücklich als weiter gefassten Begriff, der etwa auch Stimmklang und Artikulation einschließt. Die Stimmfarbe ist eines seiner Merkmale, nicht der Sprechausdruck insgesamt. Das gestische Sprechen meint dagegen eine bestimmte Gestaltungsabsicht: Die Äußerung soll eine Haltung gegenüber anderen erkennbar machen. Sprechausdruck ist der neutrale Fachbegriff für alles, was am Sprechen hörbar gestaltet ist, und keine Bewertung, ob eine Sprechweise gelungen wirkt.

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