Begriff

Erregendes Moment

Das erregende Moment bezeichnet in der Dramentheorie die Stelle, an der die eigentliche Handlung in Bewegung gerät. Der Begriff stammt aus Gustav Freytags Lehrbuch „Die Technik des Dramas“, das zuerst 1863 erschien. Freytag beschreibt den Bau des Dramas als Pyramide aus fünf Teilen: Einleitung, Steigerung, Höhepunkt, Fall oder Umkehr und Katastrophe. Das erregende Moment steht zwischen Einleitung und Steigerung.

Nach Freytag tritt es dort ein, wo in der Hauptfigur ein Gefühl oder Wollen aufsteigt, das die folgende Handlung veranlasst, oder wo die Gegenseite beschließt, sie in Bewegung zu setzen. In Shakespeares „Othello“ sieht er es in der Verabredung Jagos und Rodrigos, Desdemona und Othello zu entzweien; in „Richard III.“ fällt es schon mit der Exposition zusammen. Anders als die beiden späteren Momente seines Schemas, das tragische Moment und das Moment der letzten Spannung, hält Freytag das erregende Moment für jedes Drama notwendig.

Der Begriff gehört zu einem historischen Modell des Dramenbaus und ist keine Vorschrift für heutige Stücke. Die Exposition vermittelt dagegen die Voraussetzungen der Handlung, die Peripetie bezeichnet einen späteren Umschlag ihres Verlaufs. Verwandt ist in der Filmdramaturgie das auslösende Moment, englisch Inciting Incident. Das Kieler Lexikon der Filmbegriffe beschreibt es als erstes wichtiges Ereignis, das das Leben der Hauptfigur aus dem Gleichgewicht bringt und meist im ersten Viertel eines Films liegt.

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