Begriff

Roy-Hart-Stimmarbeit

Roy-Hart-Stimmarbeit bezeichnet eine Tradition der Stimmarbeit, die auf Alfred Wolfsohn (1896–1962) und seinen Schüler Roy Hart (1926–1975) zurückgeht. Sie wird auch Wolfsohn-Hart-Tradition genannt; ein 2021 bei Routledge erschienenes Buch von Margaret Pikes und Patrick Campbell beschreibt sie als Tradition der erweiterten Stimmarbeit, englisch extended voice work. Gemeint ist eine Arbeit, die einen sehr großen Umfang an Tönen und Klangqualitäten der Stimme erschließen will und Klang, Sprechen, Gesang und Bewegung verbindet.

Wolfsohn wurde in Berlin geboren und kämpfte im Ersten Weltkrieg als junger Soldat in den Schützengräben. Nach Darstellung des heutigen Roy Hart Voice Centre ging er von einer tiefen Verbindung zwischen der Stimme eines Menschen und seiner Psyche aus und suchte nach einer Stimme, die eine große Spanne von Tönen und Texturen ausdrücken kann. 1939 floh er vor der Verfolgung aus Berlin und setzte seine Forschung nach dem Krieg in London fort. Roy Hart, in Johannesburg geboren, gab nach derselben Darstellung eine Laufbahn am Londoner West End auf, um bei Wolfsohn zu lernen, und führte die Arbeit nach dessen Erkrankung weiter. Seine Gruppe, das Roy Hart Theatre, zog 1974 nach Malérargues in Südfrankreich, wo heute ein Zentrum die Arbeit weitergibt; Hart starb im Mai 1975 bei einem Autounfall auf einer Tournee.

Nach Angaben des Zentrums besuchten unter anderem Jerzy Grotowski und Peter Brook Hart in seinem Londoner Studio. Die Roy-Hart-Stimmarbeit gehört zu den benannten Ansätzen der Stimmbildung. Von anderen benannten Methoden wie der Linklater-Stimmarbeit unterscheidet sie sich durch Herkunft und Überlieferung. Die Verbindung von Stimme und Psyche beschreibt die Tradition selbst; der Begriff sagt nichts über eine therapeutische Wirkung aus.

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