Begriff
Stimmbildung
Stimmbildung bezeichnet die systematische Schulung der Sprech- und Singstimme. Sie richtet sich auf einen funktionellen Gebrauch der Stimme und auf die Anforderungen stimmintensiver Berufe, etwa im Schauspiel oder im Gesang. In einer zweiten, engeren Bedeutung meint das Wort die Entstehung der Stimme im Kehlkopf; dafür ist der Fachbegriff Phonation gebräuchlich.
Gegenstände der Stimmbildung sind unter anderem die Atmung, die Stimmgebung im Bereich der individuellen mittleren Sprechstimmlage, die klangliche Nutzung von Rachen-, Mund- und Nasenraum, Stimmeinsatz und Stimmabsatz sowie das Verhältnis von Spannung und Entspannung. Bei der Singstimme stehen zusätzlich Klang, Umfang und Registerausgleich im Vordergrund, bei der Sprechstimme vor allem Funktion und Verständlichkeit. An Schauspielhochschulen erscheint Stimmbildung als eigene Lehrveranstaltung, häufig in Verbindung mit Gesang, und als Teil der Sprecherziehung.
Das Sprachtraining betrifft stärker die Gestaltung sprachlicher Laute und Texte, die Stimmbildung den Klang und die Funktion der Stimme selbst; in der Praxis überschneiden sich beide. Einzelvorgänge wie Resonanz oder Artikulation sind Gegenstände der Stimmbildung, aber keine gleichbedeutenden Begriffe. Stimmstörungen werden ärztlich, insbesondere phoniatrisch, abgeklärt und etwa logopädisch behandelt; Stimmbildung ist keine Therapie.

