Begriff

Dramatische Ironie

Dramatische Ironie entsteht, wenn das Publikum mehr über eine Situation weiß als eine beteiligte Figur. Eine Handlung oder Äußerung dieser Figur erhält dadurch für die Zuschauenden eine Bedeutung, die ihr selbst verborgen bleibt. Der Wissensunterschied kann komisch, bedrohlich oder tragisch wirken.

In einem fiktiven Beispiel sieht das Publikum, wie eine Figur einen Brief verbrennt. Eine andere betritt anschließend den Raum und erklärt, der Brief werde bald alles aufklären. Ihr Vertrauen erscheint nun anders, weil die Zuschauenden um die Vernichtung wissen. Die Figur muss ihren Satz dafür weder spöttisch noch bewusst doppeldeutig sprechen.

Der Wissensvorsprung kann aus vorherigen Szenen oder aus der Kenntnis eines bekannten Stoffes entstehen. Beiseitesprechen kann ebenfalls Informationen nur bestimmten Beteiligten zugänglich machen. Dramatische Ironie bezeichnet jedoch die daraus entstehende Wissenslage, keine einzelne Sprechform. Sie ist auch vom Subtext zu unterscheiden: Ein verborgener Sinn einer Äußerung setzt nicht notwendig einen Wissensvorsprung des Publikums voraus.

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