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Bürgerliches Trauerspiel

Das bürgerliche Trauerspiel ist eine Form der Tragödie, die um die Mitte des 18. Jahrhunderts entstand. Seine Hauptfiguren leben in bürgerlichen Verhältnissen, und der Konflikt spielt sich vor allem im privaten und familiären Leben ab. Autoren verwendeten die Bezeichnung als Untertitel ihrer Stücke, etwa Friedrich Schiller bei „Kabale und Liebe“ (1784).

Mit der Gattung setzten sich Dramatiker über die Ständeklausel hinweg. Diese ältere Regel der Dramentheorie behielt die Tragödie Königen und Adligen vor und wies bürgerliche Figuren der Komödie zu. Als frühes deutsches Beispiel gilt Gotthold Ephraim Lessings „Miß Sara Sampson“ (1755); als englisches Vorbild wird George Lillos „The London Merchant“ genannt. Die Stücke sind in der Regel in Prosa statt in Versen geschrieben. In der „Hamburgischen Dramaturgie“ begründete Lessing 1767 die Hinwendung zu solchen Figuren: Namen von Fürsten und Helden trügen zur Rührung nichts bei, das Unglück von Menschen, deren Umstände den eigenen am nächsten kämen, dringe dagegen am tiefsten ein.

Lessings „Emilia Galotti“ (1772) und Schillers „Kabale und Liebe“ zeigen bürgerliche Familien im Zusammenstoß mit absolutistischer Herrschaft. Friedrich Hebbels „Maria Magdalena“ (1844) richtet den Blick dagegen auf die Zwänge innerhalb des Bürgertums selbst.

Die Tragödie ist der Oberbegriff, das bürgerliche Trauerspiel eine historische Ausprägung mit eigenem Figurenkreis. Das Wort Trauerspiel allein bezeichnet allgemein die Tragödie. Während die Fallhöhe den tragischen Fall aus einer hohen gesellschaftlichen Stellung beschreibt, setzt das bürgerliche Trauerspiel nach Lessings Begründung auf die Nähe der Figuren zu den Zuschauenden.

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