Begriff
Stimmhygiene
Stimmhygiene bezeichnet Maßnahmen und Verhaltensweisen, die Stimmerkrankungen vorbeugen und die Stimmgesundheit erhalten sollen. Ein Merkblatt des Hamburger Medical Voice Center beschreibt sie als Maßnahmen zur Verhütung von Stimmkrankheiten, die etwa durch besondere Lebens- und Arbeitsbedingungen oder einen falschen Gebrauch der Stimme beim Sprechen und Singen entstehen können. Dazu gehört nach derselben Darstellung auch, stimmschädigendes Verhalten bewusst zu machen und zu vermeiden.
Verwendet wird der Begriff in Phoniatrie, Logopädie und Sprecherziehung. Die medizinische S2k-Leitlinie zu Störungen der Stimmfunktion (Stand Dezember 2022) nennt Unterweisungen zur Stimmhygiene neben dem Stimmtraining unter den vorbeugenden Maßnahmen für Menschen, die beruflich viel sprechen. Wie weit der Begriff reicht, wird unterschiedlich gefasst: Das Hamburger Merkblatt behandelt etwa auch Raumklima und Lärm, während ein in der Leitlinie wiedergegebenes Präventionskonzept Raumakustik und Luftfeuchte als eigene, auf die Umgebung bezogene Maßnahmen von der Stimmhygiene trennt. Im Münchner Schauspielstudiengang gehört Stimmhygiene zusammen mit Grundlagen der Physiologie des Stimm-, Atem- und Sprechapparates zum Fach Atem, Stimme, Sprechen. Ein sprecherzieherisches Arbeitsblatt der Universität Potsdam bezeichnet den weichen Stimmeinsatz als „den stimmhygienisch besten Einsatz“.
Stimmhygiene ist von der Stimmbildung zu unterscheiden, die den Gebrauch der Stimme schult, und von der Stimmtherapie, die Stimmstörungen nach ärztlicher, insbesondere phoniatrischer Abklärung behandelt. Eine Anleitung zur Stimmhygiene kann allerdings Bestandteil einer solchen Therapie sein. Der Begriff benennt einen Bereich der Vorsorge, keine bestimmte Übung und keine Gewähr dafür, dass Stimmprobleme ausbleiben.

