Begriff
Atemstütze
Atemstütze bezeichnet beim Singen und Sprechen die muskulär gesteuerte Ausatmung, mit der der Luftstrom für die Stimmgebung dosiert wird. Sie wird auch kurz Stütze genannt; im Gesang ist außerdem der italienische Ausdruck Appoggio gebräuchlich. Gegenüber der Ruheatmung wirken dabei Bauch-, Brust- und Rückenmuskulatur stärker mit.
Physiologisch geht es um den Luftdruck unterhalb der Stimmlippen, den subglottischen Druck. Er entsteht aus Muskelkräften, den elastischen Rückstellkräften von Lunge und Brustkorb sowie der Schwerkraft. Beim Sprechen wie beim Singen wird er auf die beabsichtigte Lautstärke abgestimmt, beim Singen zusätzlich auf die Tonhöhe. Manche Darstellungen beschreiben die Stütze als Widerstand der Einatemmuskulatur gegen ein zu schnelles Entweichen der Luft.
Eine einheitliche Definition gibt es nicht. Messungen an Sängerinnen und Sängern zeigen unterschiedliche Strategien, etwa bei der Haltung der Bauchdecke oder beim Einsatz des Zwerchfells während einer Phrase. Ein 2026 bei der Voice Foundation vorgestellter Fachbeitrag hält fest, dass der Begriff uneinheitlich verwendet wird und empirische Daten zu entsprechendem Training weitgehend fehlen. In Schauspielcurricula erscheint die Stütze etwa als „Erarbeitung der kombinierten Atmung und der Stützfunktion“.
Die Atemstütze betrifft den Atemdruck, nicht die Schwingung der Stimmlippen selbst, die als Phonation bezeichnet wird, und nicht die klangliche Formung im Sprechtrakt, die Resonanz.

