Begriff

Chorisches Sprechen

Chorisches Sprechen bezeichnet das gemeinsame Sprechen eines Textes durch eine Gruppe, im Theater als bewusst gestaltetes szenisches Mittel. Die Sprechenden stimmen Atem, Rhythmus und Einsätze so aufeinander ab, dass die Gruppe als gemeinsame Stimme hörbar wird. Gleichbedeutend wird Chorsprechen gebraucht. Das Wort Sprechchor bezeichnet nach dem Duden sowohl das „gemeinsame, gleichzeitige Sprechen, Vortragen oder Ausrufen der gleichen Worte“ als auch eine „Gruppe von Menschen, die gemeinsam etwas vortragen“.

An Schauspielhochschulen ist chorisches Sprechen ein eigenes Unterrichtsfach. Die Hamburger Hochschule für Musik und Theater nennt in ihren Modulbeschreibungen (Stand September 2012) Rhythmisierung, Synchronisierung und den Gestus im Chor sowie einen Überblick über chorische Arbeitsweisen im Sprechtheater. Die Hochschule für Musik und Theater Rostock führt beim Chorsprechen die Erarbeitung eines gemeinsamen Atem- und Sprechrhythmus, eine besondere Partnersensibilität für das synchrone Spiel und das gestische Sprechen in der Gruppe an und verbindet das Fach mit den Anforderungen des Gegenwartstheaters. Für das deutschsprachige Theater gilt der Regisseur Einar Schleef als Wiederentdecker des Chores; so beschrieb es 2019 Bernd Freytag, der als Chorleiter an Inszenierungen Schleefs mitgewirkt hatte und chorisches Sprechen unterrichtet.

Der Chor bezeichnet die Gruppe und ihre Funktion in der Darstellung, etwa als kommentierende oder handelnde Gemeinschaft. Chorisches Sprechen meint die sprecherische Technik, mit der eine Gruppe ihren Text gestaltet. Vom Chorgesang, den Schauspielcurricula im Musikunterricht führen, unterscheidet es sich durch das gesprochene Wort.

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