Begriff
De-Roling (Ausstieg aus der Rolle)
De-Roling bezeichnet das bewusste Heraustreten aus einer übernommenen Rolle nach einer Probe, einer Vorstellung oder einer Aufnahme. Der englische Ausdruck ist vor allem in der Dramatherapie gebräuchlich. Dort bezeichnet er den Abschluss einer szenischen Darstellung, nach dem die Beteiligten die Rolle ablegen und wieder als sie selbst sprechen. Eine feste deutsche Entsprechung hat sich nicht durchgesetzt; umschrieben wird der Vorgang etwa als Ausstieg aus der Rolle.
Eine systematische Literaturübersicht von Savannagh Lassken in der Zeitschrift „Drama Therapy Review“ aus dem Jahr 2017 ordnet die in der dramatherapeutischen Literatur genannten Zwecke fünf Bereichen zu: dem Übergang aus der Darstellung, dem Austausch und der Reflexion, dem Loslassen einer Figur oder einer unangenehmen Empfindung, dem Setzen von Grenzen und der Integration von Eigenschaften der Figur. Die Dramatherapeutin Sally Bailey von der Kansas State University beschrieb De-Roling 2014 als in der Dramatherapie ständig genutzt, im Schauspiel dagegen als wenig verbreitet. Als Beispiele nannte sie das Abschütteln von Gliedern und Körper oder die rituelle Rückgabe eines Requisits oder Kostümteils der Figur an die Regie.
Der Begriff benennt eine Abschlusshandlung, keine Behandlung und keine Gewähr für seelische Entlastung; ob und wie solche Rituale wirken, ist eine eigene Forschungsfrage. Die Intimitätskoordination begleitet dagegen die Vorbereitung und Darstellung intimer Szenen, und Bühnenangst bezeichnet Angst vor oder während eines Auftritts. Das Verbleiben in der Rolle auch außerhalb der Szene, das oft mit Method Acting in Verbindung gebracht wird, beschreibt einen gegenteiligen Umgang mit der Grenze zwischen Rolle und Person.

