Begriff

Spiegelübung

Die Spiegelübung ist eine Partnerübung aus Schauspielunterricht und Theaterpädagogik, bei der eine Person die Bewegungen einer anderen unmittelbar nachvollzieht, als wäre sie deren Spiegelbild. Englisch heißt sie Mirror Exercise; daneben kommt die kurze Bezeichnung Spiegeln vor. Ein Aufsatz in der Theaterzeitschrift „Acotaciones“ (2026) nennt sie eine grundlegende Übung der Schauspielausbildung.

Die Übung begegnet in mehreren Traditionen. In den Theaterspielen Viola Spolins führt zunächst eine Person, und die Führung wechselt zwischen den Beteiligten. Nach Darstellungen auf einer Website zu Spolins Werk leitete sie dabei mit der Aufforderung „Follow the follower“ an, sinngemäß: dem Folgenden folgen; gemeint ist ein Zustand, in dem niemand mehr eindeutig führt und beide einander folgen. Augusto Boal beschreibt in seinem Übungsbuch „Games for Actors and Non-Actors“ eine Spiegel-Sequenz als eine von drei vorbereitenden Übungsreihen. Sie soll die Beobachtung durch sichtbare Dialoge ohne gesprochene Sprache schulen.

Spiegelübung bezeichnet eine Übungsform, kein Verfahren mit einheitlichen Regeln. Wer führt, ob und wie oft die Führung wechselt und wie lange gespiegelt wird, legt die jeweilige Anleitung fest. Mit dem Partnerspiel teilt die Übung die Aufmerksamkeit für das Gegenüber; Partnerspiel meint jedoch das Wechselverhältnis zwischen Figuren in einer Szene. Die Repetition der Meisner-Technik arbeitet mit wiederholten Sätzen, nicht mit nachvollzogenen Bewegungen.

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