Begriff
Strichfassung
Eine Strichfassung ist die für eine Inszenierung gekürzte Textfassung eines Bühnenwerks. Die Passagen, die nicht gespielt oder gesungen werden sollen, heißen Striche. Sie werden im Text markiert, traditionell mit einem Bleistiftstrich vom letzten beibehaltenen bis zum nächsten wieder gesprochenen Wort.
Über die Striche entscheidet gewöhnlich das Leitungsteam einer Produktion, vor allem Regie und Dramaturgie. Das Ensemble kann sie zu Beginn der Proben, etwa in einer Leseprobe, in die eigenen Textbücher übernehmen. Gestrichene Passagen bleiben im Text erkennbar und können später wieder aufgenommen werden; man spricht dann davon, einen Strich aufzumachen.
Striche verkürzen die Spieldauer und setzen inhaltliche Schwerpunkte. Schon die Auswahl der gekürzten Stellen ist damit eine Deutung des Werks. Im Musiktheater müssen Kürzungen zusätzlich musikalisch zusammenpassen, beispielsweise an den Übergängen zwischen Tonarten.
Eine Dramatisierung arbeitet dagegen einen erzählenden Stoff zu einem Drama um, statt einen vorhandenen Stücktext zu kürzen. Ein Regiebuch dokumentiert die Festlegungen einer Inszenierung insgesamt; die Strichfassung betrifft den Textbestand. Im allgemeinen Sprachgebrauch können Striche auch Kürzungen in anderen Texten bezeichnen, etwa in einem Drehbuch.

