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Paradox über den Schauspieler

„Paradox über den Schauspieler“, französisch „Paradoxe sur le comédien“, ist eine schauspieltheoretische Schrift des französischen Philosophen Denis Diderot in Dialogform. Ihre These lautet, dass große Schauspielende die Gefühle, die sie darstellen, nicht selbst empfinden. Sie erzeugen deren Anschein durch Beobachtung, Studium der Rolle und Urteilskraft und können sie deshalb in jeder Vorstellung gleich genau wiederholen. Das Paradox liegt darin, dass gerade unberührt Spielende das Publikum am stärksten berühren sollen.

Der Text geht auf Bemerkungen Diderots zu einer Schrift über den englischen Schauspieler David Garrick zurück, die 1770 in der „Correspondance littéraire“ erschienen. Die älteste erhaltene Fassung des Dialogs wird auf etwa 1773 datiert, spätere Korrekturen auf die Zeit nach dem Sommer 1777. Gedruckt wurde das Werk erst nach Diderots Tod, 1830 in Paris. Im Dialog vertritt einer der beiden Gesprächspartner Diderots Position, der andere bringt Einwände vor; Garrick dient als Beispiel für ein vom Verstand gelenktes Spiel.

Die Schrift gehört zu einer Debatte des 18. Jahrhunderts darüber, ob Schauspielende sich mit ganzer Leidenschaft in eine Rolle versenken oder beherrscht spielen sollen. Susanne Kaul stellt in einem Aufsatz von 2019 Diderots Eintreten für den „kalten“ Schauspieler der Position Gotthold Ephraim Lessings gegenüber, der eine Mischung aus Feuer und Kälte vertrat. Die Frage nach Einfühlung und Distanz kehrt in späteren Theorien wieder, etwa in Stanislawskis Kunst des Erlebens oder in Brechts Verfremdungseffekt; diese beantworten sie mit eigenen Begriffen. In deutscher Übersetzung steht die Schrift in der Literaturliste des Münchner Bachelorstudiengangs Schauspiel.

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