Begriff

Stationendrama

Ein Stationendrama ist ein Drama, das aus einer Folge relativ selbstständiger Szenen besteht, den Stationen. Statt eines Konflikts, der sich Schritt für Schritt auf einen Höhepunkt zuspitzt, reiht es einzelne Bilder aneinander, die vor allem durch eine zentrale Figur oder durch ein gemeinsames Milieu zusammengehalten werden. Gebräuchlich ist auch die Bezeichnung Stationenstück.

Nach dem Lexikon der Filmbegriffe der Universität Kiel geht die Bauform auf das geistliche Drama des Mittelalters zurück, das Stationen der Leidensgeschichte Christi gleichzeitig auf mehreren Bühnen oder nacheinander zeigte. Wieder aufgegriffen wurde sie in Dramen von Georg Büchner, August Strindberg und Frank Wedekind. Strindbergs „Nach Damaskus“ gilt als Ausgangspunkt des expressionistischen Stationendramas, das seine Hauptfigur auf einem Weg innerer Wandlung zeigt. Beispiele sind Georg Kaisers „Von morgens bis mitternachts“ und Ernst Tollers „Die Wandlung“ (1919). Eine vergleichbare episodische Bauweise findet sich auch im Film.

Das Stationendrama teilt Merkmale der offenen Form des Dramas, etwa lose verknüpfte Szenen und wechselnde Schauplätze. Es bezeichnet aber den besonderen Aufbau als Stationenfolge, nicht jede offene Bauweise. Mit dem epischen Theater verbindet es die Reihung von Szenen, die für sich stehen können. Auch die Heldenreise spricht von Stationen; sie beschreibt jedoch ein allgemeines Erzählmuster aus Aufbruch, Prüfung und Rückkehr und keine Dramenform.

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