Begriff
Zäsur (Vers)
Eine Zäsur ist ein Einschnitt im Inneren eines Verses. Im Duden lautet die Bedeutung in der Verslehre „metrischer Einschnitt innerhalb eines Verses“; das Wort geht auf lateinisch caesura, „Hieb, Schnitt“, zurück. Allgemeinsprachlich bezeichnet Zäsur auch einen deutlichen Wendepunkt, in der Musik einen markierten Einschnitt im Verlauf eines Stücks.
Der Metrikkurs des Portals LiGo unterscheidet zwei Verwendungen. Im weiten Sinn ist Zäsur ein Oberbegriff für jeden Einschnitt im Vers; wie deutlich er ausfällt, hängt vom Übergang zwischen den Silben ab und ist an einer Satzgrenze am stärksten, an einer bloßen Wortgrenze am schwächsten. Im engeren Sinn liegt eine Zäsur innerhalb eines Versfußes. Fällt die Grenze dagegen mit dem Ende eines Versfußes zusammen, spricht man von Diärese. In der Metrik mittelhochdeutscher Dichtung bezeichnet Zäsur den Übergang zwischen Anvers und Abvers einer Langzeile.
Ein bekanntes Beispiel ist der Alexandriner, ein sechshebiger jambischer Vers, den eine Zäsur nach dem dritten Jambus in zwei gleiche Hälften teilt. In einem Vers aus Andreas Gryphius’ Sonett „Es ist alles eitel“ liegt sie nach „wohin du siehst“: „Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden.“ Zum Blankvers gehört dagegen keine fest vorgeschriebene Mittelzäsur.
Die Zäsur ist vom Versende zu unterscheiden, das in gedruckten Versen mit dem Zeilenende zusammenfällt. LiGo beschreibt sie als syntaktisch bedingte Pause; eine feste Länge dieser Pause legt die Definition nicht fest. Wie deutlich ein Einschnitt beim Verssprechen hörbar wird, ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Metrum, Satzbau und Sinn.

