Begriff
Sprechatmung
Sprechatmung bezeichnet die Atmung während des Sprechens. Sie unterscheidet sich von der Ruheatmung, die ohne Sprechanlass abläuft: Nach einer phonetischen Lehrunterlage der Ludwig-Maximilians-Universität München ist der auffälligste Unterschied die starke Verlängerung der Ausatmung. Zugleich muss der Luftstrom so gesteuert werden, dass der Druck unter den Stimmlippen zur beabsichtigten Lautstärke passt. Eine Pilotstudie der Universität des Saarlandes von 2023 nennt außerdem eine niedrigere Atemfrequenz, eine kürzere Einatmung und deutlich variablere Ausatmungsphasen; die Einatmung richtet sich in der Regel nach den Sprechpausen.
Nach den Bereichen, die sich beim Einatmen bewegen, unterscheidet die Stimmbildungsliteratur mehrere Atemtypen: die Schlüsselbein- oder Hochatmung, die Brust- oder Flankenatmung mit überwiegender Rippenbewegung und die Bauch- oder Zwerchfellatmung, bei der sich das Zwerchfell abflacht und die Bauchwand vorwölbt. Die Luft gelangt auch dabei in die Lunge; der Name beschreibt die sichtbare Bewegung. Die Verbindung von Rippen- und Zwerchfellatmung heißt kombinierte Atmung oder Kosto-Abdominalatmung. In reiner Form tritt keiner dieser Typen auf, und die Bezeichnungen werden nicht einheitlich verwendet. Schauspielcurricula nennen etwa „kombinierte Atmung und Abspannen“; als Abspannen wird das Nachströmen der Luft in den Sprechpausen beschrieben, wenn sich die Spannung der Ausatmung löst.
Die Atemstütze bezeichnet innerhalb dieses Vorgangs die Dosierung der Ausatmung für die Stimmgebung. Sprechatmung meint den gesamten Atemablauf einschließlich der Einatmung und seiner Abstimmung auf Pausen und Gliederung einer Äußerung, die zur Prosodie gehören. Die Stimmgebung im Kehlkopf selbst heißt Phonation.

