Begriff
Bouffon
Ein Bouffon ist im Theater eine groteske Spielfigur, deren Spiel auf Spott und Verhöhnung beruht; das Wort bezeichnet zugleich die damit verbundene Spielweise. Darstellende maskieren dabei ihren ganzen Körper und verwandeln sich in überzeichnete Gestalten von Außenseitern, die die Gesellschaft satirisch vorführen. Der Ausdruck stammt aus dem Französischen; die Mehrzahl lautet Bouffons.
Als Theaterform ist der Bouffon vor allem mit der Pädagogik Jacques Lecoqs verbunden. Nach einem Fachaufsatz von Lynn Maree Everett aus dem Jahr 2008 beschreibt Lecoq in seinem Buch, englisch „The Moving Body“, wie er diese Form über dreißig Jahre erforschte, ihre Merkmale und Grenzen bestimmte und dabei bemerkte, dass Studierende ihre bouffonesken Körper aus dem eigenen kulturellen Hintergrund entwickelten. An der École Internationale de Théâtre Jacques Lecoq gehören die Bouffons zum zweiten Ausbildungsjahr; das Programm nennt „les bouffons de la société et ceux du mystère“, also Bouffons der Gesellschaft und solche des Mysteriums. Auch die École Philippe Gaulier führt in ihrem Jahreskurs 2026/27 einen Workshop zu Bouffons.
In einem fiktiven Beispiel ahmt eine Gruppe grotesk ausstaffierter Gestalten eine feierliche Preisverleihung nach, bis das Ritual zugleich lächerlich und bedrohlich wirkt. Die Clownerie geht in der Lecoq-Pädagogik dagegen von einem persönlichen Clown aus, den jede Person für sich entwickelt; der Bouffon richtet seinen Spott auf die Gesellschaft. Lazzi sind einzelne komische Einlagen der Commedia dell’arte, und eine Farce ist eine derbkomische Theaterform mit sich zuspitzenden Verwicklungen, keine bestimmte Figur.

