Begriff
Volksstück
Ein Volksstück ist ein Theaterstück, das sich an ein breites Publikum richtet und seine Figuren und Stoffe aus dem Alltag einfacher Leute nimmt. Der Duden bestimmt es als volkstümliches, oft humoristisches Bühnenstück. Eine feste Bauform oder einen vorgeschriebenen Ausgang besitzt die Gattung nicht.
Eine wichtige Tradition entstand an den Wiener Vorstadtbühnen. Dort entwickelte sich im frühen 19. Jahrhundert das Alt-Wiener Volkstheater mit Possen, Singspielen, Parodien und Zauberstücken. Seine bekanntesten Vertreter waren Ferdinand Raimund und Johann Nestroy, die als Autoren und Schauspieler zugleich arbeiteten.
Im 20. Jahrhundert griffen Dramatikerinnen und Dramatiker die Bezeichnung kritisch auf. Ödön von Horváth nannte „Geschichten aus dem Wiener Wald“ (1931) ein „Volksstück in drei Teilen“. In seiner „Gebrauchsanweisung“ beschrieb er sein Vorhaben als Erneuerung des alten Volksstücks: Seine Figuren seien überwiegend Kleinbürger, und die Darstellenden sollten nicht Dialekt, sondern Hochdeutsch sprechen. Martin Sperrs Volksstück „Jagdszenen aus Niederbayern“ (1966) zeigt eine Dorfgemeinschaft, die sich gegen Menschen in ihrer Mitte wendet.
Volksstück bezeichnet damit Publikum, Herkunft und Stoffkreis, nicht einen komischen oder ernsten Verlauf. Viele Volksstücke sind Komödien, andere enden im Unglück ihrer Figuren. Als Name einer Spielstätte, etwa beim 1889 eröffneten Wiener Volkstheater, meint Volkstheater dagegen ein Haus und keine Gattung.

