Begriff
Psychologische Geste
Eine psychologische Geste ist in der Chekhov-Technik eine verdichtete körperliche Form für das innere Streben einer Figur. Bewegung und Vorstellung werden miteinander verbunden. Eine solche Form kann etwa ein Ergreifen, Zurückweisen oder Sichöffnen ausdrücken, ohne eine alltägliche Handlung unmittelbar nachzuahmen.
Die Geste umfasst ihren Verlauf, ihre Richtung und ihre Qualität. Sie ist daher nicht allein durch eine bestimmte Armbewegung definiert. In einem fiktiven Beispiel kann eine umfassende Bewegung des Festhaltens den Wunsch ausdrücken, etwas nicht zu verlieren. Welches Streben darin liegt, ergibt sich aus der Figur und der vorgestellten Situation; die Bewegung besitzt keine universell festgelegte Bedeutung.
Die psychologische Geste kann die Rollenarbeit vorbereiten und im späteren Spiel innerlich weiterwirken. Sie muss dann nicht als große sichtbare Bewegung wiederholt werden. Der Begriff bezeichnet weder eine psychologische Diagnose noch jede ausdrucksvolle Geste. Auch Brechts Gestus ist ein anderer Begriff: Dort steht die erkennbare gesellschaftliche Haltung oder Beziehung im Vordergrund.

