Begriff
Tierstudie (Tierübung)
Eine Tierstudie, auch Tierübung oder englisch animal exercise genannt, ist eine Arbeitsform der Schauspielausbildung, bei der Darstellende die Bewegungen und Verhaltensweisen eines Tieres beobachten und im Spiel nachbilden. Beschreibungen aus der Ausbildungspraxis nennen als Zweck, die Beobachtung zu schärfen, gewohnte Bewegungsmuster zu verlassen und andere Tempi, Rhythmen und Körperschwerpunkte zu erproben. Beobachtete Eigenschaften können anschließend in die Gestaltung einer menschlichen Figur einfließen.
Eine Fachzeitschrift für Schauspielende verbindet die Arbeitsweise besonders mit Maria Ouspenskaya, die am Moskauer Künstlertheater bei Stanislawski gelernt hatte und später in New York am American Laboratory Theatre unterrichtete. Auch deutschsprachige Hochschulen führen Tierdarstellung in ihren Bewegungsmodulen. Das Modulhandbuch des Bachelorstudiengangs Schauspiel der Hochschule für Musik und Theater München nennt in der Fassung von 2015 etwa „Imagination und körperliche Verwandlung, Archetypen in der Tierdarstellung von Märchen“.
Die Tierstudie gehört zur Körper- und Figurenarbeit und ist keine eigene Theaterform. Von der Pantomime unterscheidet sie sich dadurch, dass es nicht um die wortlose Darstellung von Vorgängen geht, sondern um Bewegungsqualitäten als Ausgangsmaterial. Die psychologische Geste der Chekhov-Technik verdichtet dagegen ein inneres Streben der Figur in einer körperlichen Form, ohne ein beobachtetes Verhalten nachzuahmen. Körpertheater bezeichnet Aufführungsformen, in denen solche Mittel vorkommen können.

