Begriff
Stella-Adler-Technik
Die Stella-Adler-Technik bezeichnet den Schauspielansatz der amerikanischen Schauspielerin und Lehrerin Stella Adler. Im Mittelpunkt stehen Vorstellungskraft und eine genaue Untersuchung des Stücks: Darstellende erschließen eine Figur aus den gegebenen Umständen des Textes, statt vor allem eigene Erinnerungen als Quelle der Darstellung zu nutzen.
Adler gehörte zum Ensemble des New Yorker Group Theatre. 1934 arbeitete sie in Paris fünf Wochen lang mit Konstantin Stanislawski. Sie gelangte zu der Auffassung, dass er die Imagination inzwischen stärker gewichtete als die Erinnerung, und wandte sich gegen die Betonung des affektiven Gedächtnisses durch Lee Strasberg. Aus ihrem Unterricht ging 1949 in New York ein eigenes Studio hervor, das heute als Stella Adler Center for the Arts besteht.
Zum Ansatz gehören Text- und Rollenanalyse, das Handeln der Figur sowie die Gestaltung von Stimme, Bewegung und äußerer Erscheinung. Auch die historische und gesellschaftliche Situation, in der ein Stück spielt, zählt zu den Umständen. In einem fiktiven Beispiel erarbeitet eine Darstellerin eine Hausangestellte des 19. Jahrhunderts, indem sie sich deren Arbeitstag, Stellung und Abhängigkeiten im Haushalt vorstellt, ohne nach einem vergleichbaren eigenen Erlebnis zu suchen.
Die Stella-Adler-Technik ist eine eigene Linie der amerikanischen Auseinandersetzung mit dem Stanislawski-System. Sie wird häufig im Umfeld von Method Acting genannt, ist aber nicht mit der Lee-Strasberg-Methode gleichzusetzen. Die Meisner-Technik legt den Schwerpunkt dagegen stärker auf die unmittelbare Reaktion auf das Gegenüber.

