Begriff
Indifferenzlage
Die Indifferenzlage bezeichnet in der Sprechwissenschaft die mittlere Tonhöhe der Sprechstimme. Gemeint ist die Tonhöhe, um die sich die Stimme beim Sprechen bewegt und von der sie kurzzeitig nach oben oder unten abweicht. Gleichbedeutend wird meist der Ausdruck mittlere Sprechstimmlage gebraucht.
Als gewöhnlicher Bereich werden für Männer etwa die Töne G bis c, für Frauen g bis c′ genannt. Eine sprecherzieherische Darstellung der Universität Erfurt bestimmt die mittlere Sprechstimmlage als den Tonbereich, in dem die Stimme am mühelosesten und ohne Kraftaufwand eingesetzt wird. Solche Angaben sind Richtwerte; die tatsächliche Lage ist individuell. Schauspielcurricula sprechen deshalb von der „persönlichen Indifferenzlage“ und nennen die „physiologische Stimmgebung“ auf ihrer Grundlage oder den „Erwerb der mittleren Sprechstimmlage“ als Ausbildungsinhalt.
Die Indifferenzlage beschreibt eine Ausgangslage, nicht den Verlauf einer Äußerung: Wie die Stimme beim Sprechen steigt und fällt, gehört zur Prosodie. Sie ist auch von der Stimmfarbe zu unterscheiden, dem klanglichen Gesamteindruck einer Stimme, und von der Phonation als Vorgang der Stimmgebung im Kehlkopf. In der Stimmbildung ist die mittlere Sprechstimmlage ein Bezugspunkt der Arbeit, kein für alle Menschen gleicher Zielton.

