Begriff
Bühnenpräsenz
Bühnenpräsenz bezeichnet die Wirkung, mit der Darstellende während einer Aufführung im Raum wahrgenommen werden und die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich ziehen. Der Duden bestimmt das Wort als Auftreten eines Künstlers oder einer Künstlerin auf der Bühne. Das Grundwort Präsenz führt er im Jargon zusätzlich in der Bedeutung „körperliche Ausstrahlung[skraft]“.
Die Theaterwissenschaftlerin Erika Fischer-Lichte unterscheidet in einem Aufsatz von 2024 mehrere Begriffe von Präsenz. Im schwachen Sinn meint sie die bloße körperliche Gegenwart der Darstellenden vor Zuschauenden. Im starken Sinn beschreibt sie die Fähigkeit, den Raum zu beherrschen und die Aufmerksamkeit des Publikums zu halten. Diese Fähigkeit lässt sich nach ihrer Darstellung nicht der dargestellten Figur zuschreiben. Sie entsteht durch Vorgänge der Verkörperung und beruht auf beherrschten Techniken und Praktiken; sie kann sich vom ersten Auftritt an oder nur in einzelnen Momenten einer Aufführung einstellen.
In der Schauspielausbildung erscheint Präsenz als Lernziel neben anderen Grundlagen. Die Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ nennt in ihren Modulbeschreibungen von 2019 für den Bewegungsunterricht den „Sinn für Präsenz“ zusammen mit Partnerarbeit, Raum und Rhythmus. Am Wiener Max Reinhardt Seminar beschreibt die Sprecherziehung körperliche, darstellerische und stimmliche Präsenz als Bereiche, die sich gegenseitig beeinflussen.
Öffentliche Einsamkeit bezeichnet dagegen bei Stanislawski die Lenkung der eigenen Aufmerksamkeit vor Publikum, Durchlässigkeit die Fähigkeit, Impulse aufzunehmen und über Körper und Stimme sichtbar werden zu lassen. Bühnenpräsenz benennt die Wirkung, die Zuschauende wahrnehmen. Der Begriff beschreibt keine messbare Eigenschaft, und aus ihm folgt keine bestimmte Technik.

