Begriff
Ja, und …
„Ja, und …“, englisch „Yes, and …“, bezeichnet im Improvisationstheater den Grundsatz, ein Angebot des Gegenübers anzunehmen und darauf aufzubauen. Das „Ja“ steht für das Annehmen dessen, was eine Mitspielerin oder ein Mitspieler in die Szene eingebracht hat, das „und“ für die eigene Erweiterung. Der Ausdruck wird als Faustregel verstanden, nicht als feste Regel eines bestimmten Formats.
Gemeint ist die gemeinsame Spielwirklichkeit, nicht die Haltung der Figuren. Diese dürfen widersprechen und streiten; nicht zurückgewiesen werden sollen die Voraussetzungen, die eine andere Person für die Szene geschaffen hat. In einem fiktiven Beispiel ruft eine Figur, das Boot habe ein Leck. Die andere kann erschrecken, ihr Vorwürfe machen und nach einem Eimer greifen; behauptet sie dagegen, es gebe gar kein Boot, verhindert sie den Anschluss. Das Spielangebot bezeichnet den einzelnen Impuls, auf den sich der Grundsatz bezieht.
Der Grundsatz ist verbreitet, aber nicht unumstritten. Gary Schwartz, der nach eigener Darstellung bei Viola Spolin gelernt hat, schreibt, „Yes, and …“ sei erst in Gebrauch gekommen, nachdem Spolin ihre Methode festgehalten hatte. Für fortgeschrittene Improvisation hält er die Regel für hinderlich, weil sie das Spiel auf den Austausch von Informationen verenge, und setzt ihr die aus Viola Spolins Theaterspielen stammende Formel „Follow the follower“ entgegen. Außerhalb des Theaters wird der Grundsatz auf Zusammenarbeit und Lehre übertragen, etwa in einem 2025 erschienenen Fachbuch über Improvisation in der Hochschullehre.

