Begriff

Archetyp (Figur)

Ein Archetyp bezeichnet in der Figurenzeichnung einen Grundtyp von Figur, der in Mythen, Märchen, Literatur und Film in vielen Abwandlungen wiederkehrt, etwa der Mentor, der Schatten oder der Trickster. Das Wort geht über lateinisch „archetypum“ auf griechisch „archétypon“ zurück. Der Duden verzeichnet unter anderem die Bedeutungen Urbild, Urform und Musterbild.

Der erzähltheoretische Gebrauch knüpft an den Psychologen Carl Gustav Jung an. Nach dem Lexikon der Filmbegriffe der Universität Kiel nannte Jung Archetypen jene Bilder, Motive und Personaltypen, die in allen Kulturen und Zeiten wiederkehren; er ordnete sie dem kollektiven Unbewussten zu. Der Mythenforscher Joseph Campbell nahm Elemente aus Jungs Tiefenpsychologie auf. In der Drehbuchlehre machte vor allem Christopher Vogler solche Figuren bekannt. Das Kieler Lexikon zählt zu diesem archetypischen Personal den Helden, den Mentor, den Schwellenhüter, den Boten, den Formwandler, den Schatten und den Trickster.

In diesem Sinn beschreibt ein Archetyp eine Funktion im Gefüge einer Geschichte, keine ausgearbeitete Einzelfigur. In einem fiktiven Beispiel erfüllt eine alte Nachbarin die Funktion des Mentors, weil sie der Hauptfigur Rat und ein entscheidendes Werkzeug gibt. Ein Klischee ist nach dem Kieler Lexikon dagegen eine abgenutzte, schablonenhafte Vorstellung oder Formel; es ist mit dem Stereotyp verwandt. Ein Rollenfach ordnet Rollen für die Besetzung in einem Ensemble, und Typecasting bezeichnet die wiederholte Besetzung einer Person in ähnlichen Rollen. Die Figurenkonstellation beschreibt die Beziehungen der Figuren eines bestimmten Werks. Die Heldenreise ist das Erzählmodell, in dem Vogler die archetypischen Figuren mit typischen Stationen verbindet.

Wissen entdecken

Weitere Begriffe alphabetisch auswählen oder in der Übersicht suchen.