Begriff
Haltung (Schauspiel)
Haltung bezeichnet im Schauspiel die wertende Beziehung, in die sich eine Figur zu ihrem Gegenüber und zur Situation setzt. Das Glossar des Modulhandbuchs für den Bachelorstudiengang Schauspiel der Hochschule für Musik und Theater München bestimmt Haltungen in der Fassung von 2015 als „Das Wertende in Beziehung setzen zu Partner und Situation“. Gemeint ist mehr als die Körperhaltung, auch wenn sich eine Haltung in Körper, Blick und Stimme zeigen kann.
Das Wort verbindet schon im allgemeinen Sprachgebrauch beide Seiten: Der Duden nennt die Art, den Körper zu halten, ebenso wie die innere Grundeinstellung und das Verhalten, das aus ihr hervorgeht. In der Probenarbeit nach Bertolt Brecht gehört Haltung neben dem Gestus zu den Arbeitsbegriffen. Der Theaterwissenschaftler David Barnett beschreibt sie als deutsches Wort, das geistige Einstellung und körperliches Auftreten vereint. Mit wechselnden Haltungen zeigen Darstellende danach, wie sich die Beziehungen ihrer Figuren zueinander, zu Ereignissen und zu Ideen im Lauf der Zeit verändern. Das Münchner Modulhandbuch nennt das Erkennen von Haltungen und Haltungswechseln als Ausbildungsziel.
In einem fiktiven Beispiel begegnet ein Hausmeister den Mietern barsch, der Eigentümerin des Hauses dagegen beflissen; dieselbe Figur nimmt in zwei Beziehungen gegensätzliche Haltungen ein. Der Gestus bezeichnet bei Brecht die im Verhalten erkennbare soziale Haltung oder Beziehung. Status beschreibt dagegen speziell das Verhältnis von Einfluss und Unterordnung zwischen Figuren. Eine Haltung kann einen bestimmten Status ausdrücken, umfasst aber jede wertende Stellungnahme einer Figur, etwa Misstrauen, Zuneigung oder Gleichgültigkeit.

