Ella und Steffi: Das Tagebuch

Dialog · 2 Personen · Gegenwart · Alltagssprache

Ella und Steffi: Ich wollte nur wissen, ob du auch mal so warst.

Freier Text von SceneTalent

Von SceneTalent geschrieben. Frei zum Üben, Vorsprechen und für Self-Tapes – bitte mit Quellenangabe „Text: SceneTalent“. Den Text selbst nicht ohne unser Einverständnis weiterverbreiten.
Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 290 Wörter
Umfang
290 WörterElla · Steffi
Figuren
weiblich + weiblich
Spielalter
ca. 14–45redaktionelle Einschätzung
Tonlage
neckendleise & nachdenklich
Sprache
Alltagssprache

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Stell zusammen, was auf dem Blatt stehen soll. Die Auswahl gilt für den Druck und für das PDF.

Inhalt
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(Ein Dachboden. Kisten, ein alter Sessel, Staub im Licht einer Dachluke. Ella, vierzehn, sitzt auf einer Kiste und blättert in einem kleinen Buch mit Blumen auf dem Umschlag. Steffi, Mitte vierzig, kommt mit einer leeren Kiste die Treppe hoch.)

Ella

„Liebes Tagebuch. Heute war der schlimmste Tag meines Lebens.“ (Sie blättert.) „Liebes Tagebuch. Heute war der schlimmste Tag meines Lebens.“ (Blättert.) Mama, du hattest ganz viele schlimmste Tage.

Stichwort: „… du hattest ganz viele schlimmste Tage.“

Steffi

Was ist das? (Sie sieht es.) Nein. Gib das her.

Stichwort: „… ist das? Nein. Gib das her.“

Ella

Da steht „Privat“ drauf. Mit drei Ausrufezeichen. Das ist quasi eine Einladung.

Stichwort: „… Ausrufezeichen. Das ist quasi eine Einladung.“

Steffi

Ella. Das ist meins.

Stichwort: „Ella. Das ist meins.“

Ella

Du liest meine Nachrichten auch, wenn ich das Handy liegen lasse.

Stichwort: „… wenn ich das Handy liegen lasse.“

Steffi

Ich lese nicht deine Nachrichten. Ich sehe, dass welche kommen. Das ist ein Unterschied.

Stichwort: „… welche kommen. Das ist ein Unterschied.“

Ella

(Liest.) „Mama versteht überhaupt nichts. Sie fragt immer, wie es in der Schule war, und wenn ich sage gut, fragt sie, was gut heißt.“ (Sie sieht auf.) Krass. Das hast du gestern zu mir gesagt.

Stichwort: „… hast du gestern zu mir gesagt.“

Steffi

Das ist eine berechtigte Frage.

Stichwort: „Das ist eine berechtigte Frage.“

Ella

(Liest.) „Ich habe heute zwei Stunden vor dem Spiegel geübt, wie man normal guckt, wenn jemand Bestimmtes vorbeikommt. Ich glaube, ich gucke immer falsch.“

Stichwort: „… Ich glaube, ich gucke immer falsch.““

(Steffi setzt die Kiste ab. Sie sagt nichts.)

Ella

„Er hat mich in der Pause gefragt, ob ich einen Stift habe. Ich hatte drei. Ich habe gesagt, ich habe keinen. Ich weiß nicht, warum. Ich bin so dumm.“ (Sie lacht, aber nicht mehr ganz.) Du hattest drei Stifte.

Stichwort: „… so dumm.“ Du hattest drei Stifte.“

Steffi

Vier. Einer war im Mäppchen.

Stichwort: „Vier. Einer war im Mäppchen.“

Ella

Und dann?

Stichwort: „Und dann?“

Steffi streckt die Hand aus

Gib mal.

Stichwort: „Gib mal.“

(Ella zögert, dann gibt sie ihr das Buch. Steffi setzt sich in den alten Sessel und blättert.)

Steffi

(Liest.) „Ich habe heute niemandem etwas erzählt. Nicht mal Anja. Wenn man es ausspricht, ist es wahr, und dann kann es kaputtgehen.“ (Pause.) Das hab ich ganz vergessen. Dass ich das gedacht habe.

Stichwort: „… vergessen. Dass ich das gedacht habe.“

Ella

Und? Ist es kaputtgegangen?

Stichwort: „Und? Ist es kaputtgegangen?“

Steffi lächelt

Nach sechs Wochen. Er ist mit seinen Eltern nach Bremen gezogen. Ich habe ihm nie gesagt, dass ich einen Stift hatte.

Stichwort: „… gesagt, dass ich einen Stift hatte.“

(Stille. Ella zieht die Knie an.)

Ella

Ich wollte nur wissen, ob du auch mal so warst.

Stichwort: „… ob du auch mal so warst.“

Steffi

So?

Stichwort: „So?“

Ella

So. (Sie zeigt vage auf sich.) So eben.

Stichwort: „So. So eben.“

Steffi

(Sie klappt das Tagebuch zu und legt es zurück in den Schuhkarton.) Das bleibt hier oben. Und unten gibt es gleich Tee. Falls jemand in der Küche erzählen will, was gut heißt. Muss aber nicht.

Stichwort: „… was gut heißt. Muss aber nicht.“

Ella

Hast du noch das zweite?

Stichwort: „Hast du noch das zweite?“

Steffi

Nein.

Stichwort: „Nein.“

Ella

Da liegt ein zweites.

Stichwort: „Da liegt ein zweites.“

Steffi steht auf, nimmt die Kiste

Das ist von der zehnten Klasse. Das lesen wir, wenn du dreißig bist.

Stichwort: „… lesen wir, wenn du dreißig bist.“

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende der Szene

Spielhinweise

  • Die Tagebuchsätze sind die Sprache einer Vierzehnjährigen aus einer anderen Zeit. Ella liest sie zuerst spöttisch vor, später ernst. Der Wechsel ist der Szenenbeat der Szene.
  • Steffi spielt nicht nur die peinlich berührte Mutter. Sie hört sich selbst zu und ist überrascht, wie wenig sich geändert hat.
  • Der Name, um den es geht, fällt nie. Lasst ihn offen; jede Besetzung kann ihn für sich füllen.
  • Das Ende ist leise. Kein großes Gespräch, nur ein Angebot. Haltet die Pause davor aus.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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