David: Gebrauchsanweisung

Monolog · Gegenwart · Alltagssprache

David: Ich bin nicht kaputt. Ich bin nur schon oft umgezogen.

Freier Text von SceneTalent

Von SceneTalent geschrieben. Frei zum Üben, Vorsprechen und für Self-Tapes – bitte mit Quellenangabe „Text: SceneTalent“. Den Text selbst nicht ohne unser Einverständnis weiterverbreiten.
Dauer
ca. 2,5 Mingeschätzt, 327 Wörter
Umfang
327 Wörterungekürzt
Figur
männlich
Spielalter
ca. 12–15redaktionelle Einschätzung
Tonlage
sachlichtragikomisch
Sprache
Alltagssprache

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Inhalt
Seite

(Ein Küchentisch mit vier Tellern. David, dreizehn, sitzt sehr gerade auf seinem Stuhl. Er faltet einen Zettel auseinander und räuspert sich.)

Bevor wir essen. Ich hab was vorbereitet. Das mach ich immer, das spart Zeit. (Er liest vor.) „Gebrauchsanweisung für David. Vierte Auflage.“

Punkt eins: Ich esse fast alles. Außer Erbsen. Erbsen bitte nicht heimlich ins Essen mischen, ich merk das. Punkt zwei: Ich räume mein Zimmer selbst auf. Ihr müsst nicht reingehen. Ihr dürft, aber ihr müsst nicht.

Punkt drei: Wenn ich nachts im Flur stehe, ist nichts. Ich guck nur, wo die Tür ist. Dann geh ich wieder ins Bett. Nicht nachfragen, das macht es länger.

(Er sieht kurz auf.) Punkt vier: Ich bin nicht kaputt. Ich bin nur schon oft umgezogen. Das steht in meiner Akte anders, aber die Akte hab ich nicht geschrieben.

Punkt viereinhalb: Ich kann kochen. Nudeln, Rührei und Toast Hawaii. Toast Hawaii ist meine Spezialität. Wenn ihr Ananas habt, mach ich den am Sonntag. Wenn nicht, auch gut. Ich bin nicht wählerisch, außer bei Erbsen.

Punkt fünf: Ich lüge manchmal, wenn mich jemand fragt, wie es mir geht. Das ist nicht gegen euch. Das ist eine Gewohnheit. Wenn ich „gut“ sage, heißt das ungefähr „geht so“. Wenn ich „geht so“ sage, solltet ihr vielleicht nachfragen. Aber vorsichtig.

Punkt sechs: Bitte nicht anschreien. Ich mach dann zu. Das sieht aus wie frech, ist es aber nicht. Es geht nach einer Stunde wieder auf. Ungefähr.

(Pause. Er liest langsamer.) Punkt sieben: Mein Rucksack bleibt gepackt. Der steht im Flur. Ich weiß, dass das komisch aussieht. Das ist nicht gegen euch. Das ist nur, damit es schneller geht, wenn es sein muss. Bei Familie Herold hat es zwanzig Minuten gedauert. Da hab ich mein Ladekabel vergessen.

Punkt acht: Garantie gibt es keine. Aber ich bin pflegeleicht. Steht auch in der Akte. Das Wort mag ich nicht, aber es stimmt.

(Er faltet den Zettel zusammen. Mia, die Tochter, sagt etwas. David hört zu.)

Ob ich auch eine Anleitung für euch brauche? (Er überlegt.) Nein. Ich guck mir das an. Ich bin gut im Angucken.

(Er faltet den Zettel wieder auf, nimmt einen Stift aus der Tasche und schreibt etwas dazu. Er liest es vor.) Punkt neun: Wenn ich irgendwann den Rucksack auspacke, bitte nichts sagen. Einfach so tun, als wär das normal.

(Er legt den Zettel neben seinen Teller.) So. Jetzt können wir essen. Sind da Erbsen drin?

Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.

Ende des Textes

Spielhinweise

  • David liest vor wie bei einer Präsentation in der Schule. Das ist sein Schutz. Spiele die Haltung eines Jungen, der das schon oft gemacht hat, und lass nur an wenigen Stellen sehen, was dahinter liegt.
  • Die Komik entsteht aus der Sachlichkeit. Die traurigen Sätze klingen genauso nüchtern wie die lustigen. Das ist der Subtext des ganzen Textes.
  • Mias Frage kommt aus dem Off. Lass dir Zeit, sie zu hören, bevor David den letzten Punkt dazuschreibt.

Vorsprech-Set

Als Kontrast dazu

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