Begriff

Lehrstück (Brecht)

Ein Lehrstück ist bei Bertolt Brecht eine Theaterform, die vor allem für die Mitwirkenden bestimmt ist. Sie sollen im Spielen Haltungen und Verhaltensweisen erproben und untersuchen. Nach Brechts eigener Formel lehrt das Lehrstück durch das Spielen, nicht durch das Zuschauen; ein Publikum hielt er deshalb nicht für notwendig.

Brecht nahm die ältere Bezeichnung 1929 für „Der Lindberghflug“ und „Das Badener Lehrstück vom Einverständnis“ auf und schrieb bis 1934 weitere Stücke dieser Art, darunter „Der Jasager“ und „Der Neinsager“, „Die Maßnahme“, „Die Ausnahme und die Regel“ sowie „Die Horatier und die Kuriatier“. Mehrere entstanden als musikalische Werke mit Komponisten wie Kurt Weill, Paul Hindemith und Hanns Eisler; „Der Jasager“ war als Schuloper angelegt. Für die Komponisten lag ein Reiz darin, Laien in die Aufführung einzubeziehen und so dem bloßen Konsum von Kunst etwas entgegenzusetzen.

Der Theaterpädagoge Reiner Steinweg veröffentlichte 1972 eine Untersuchung des Lehrstücks; spätere Lehrstückversuche in der Theaterpädagogik verstehen das gemeinsame Spiel als Forschungsprozess der Beteiligten.

Das epische Theater ist das übergeordnete Konzept Brechts, das sich an ein betrachtendes Publikum richtet; das Lehrstück verlagert den Schwerpunkt auf den Lernprozess der Spielenden. Auch das Theater der Unterdrückten bezieht Beteiligte aktiv ein, geht aber auf Augusto Boal zurück und arbeitet mit eigenen Methoden wie dem Forumtheater.

Wissen entdecken

Weitere Begriffe alphabetisch auswählen oder in der Übersicht suchen.