Begriff
Lecoq-Pädagogik
Die Lecoq-Pädagogik bezeichnet die Theaterausbildung, die Jacques Lecoq entwickelte und an seiner 1956 in Paris gegründeten Schule lehrte. Sie stellt das körperliche Spiel ins Zentrum und verbindet zwei Arbeitsstränge: das Spiel und die Improvisation mit ihren Regeln sowie die Technik und Analyse von Bewegungen. Nach Angaben der Schule richtet sich die Ausbildung nicht nur an Darstellende, sondern an alle, die Theater schaffen, also auch an Schreibende, Regie und Szenografie.
Die zweijährige Ausbildung beginnt mit der Beobachtung von Bewegungen in Alltag und Natur. Ein bekanntes Element ist die neutrale Maske, die Lecoq mit dem Bildhauer Amleto Sartori entwickelte; es folgen weitere Masken wie Larven- und Ausdrucksmasken. Im zweiten Jahr erkunden die Studierenden größere dramatische Bereiche, darunter Melodram, Tragödie mit Chor, Bouffons und Clown. Die rote Clownsnase wird in dieser Abfolge als kleinste Maske beschrieben. In wöchentlichen Eigenarbeiten, den sogenannten auto-cours, entwickeln Gruppen Szenen und zeigen sie Lehrenden und Mitstudierenden. Seit 2023 befindet sich die Schule in Avignon.
Die Schule versteht ihren Unterricht ausdrücklich nicht als Weitergabe einer festen Methode, sondern als Arbeit an wiederkehrenden Grundlagen des Spiels. Körpertheater bezeichnet Aufführungsformen; die Lecoq-Pädagogik ist ein Ausbildungsweg, aus dem unterschiedliche Arbeiten hervorgehen können. Maskenarbeit ist ein wichtiger Bestandteil, aber nicht der ganze Inhalt. Vor der Gründung seiner Schule lernte Lecoq in Italien die Commedia dell’arte kennen; ihre Spielweise ist ein Bezugspunkt, nicht der Gegenstand der gesamten Ausbildung.

