Begriff

Chargieren

Chargieren bezeichnet in Theater, Film und Fernsehen zweierlei: eine Charge zu spielen und eine Rolle übertrieben darzustellen. So verzeichnet es der Duden. Eine Charge ist nach demselben Wörterbuch eine Nebenrolle mit übertrieben gezeichnetem Charakter. Das Wort geht auf das französische charger, „beladen“, zurück.

Eine Chargenrolle verlangt einen leicht erkennbaren Typ statt einer individuell ausgearbeiteten Figur. Das Lexikon der Filmbegriffe der Universität Kiel führt Chargendarsteller oder Chargeure in einer Übersicht von Rollentypen nach dramatischer Relevanz. Sein Eintrag zur Nebenfigur zählt solche Klein- und Kleinstrollen zu den Mitteln, mit denen ein Film den Schauplatz und die soziale Welt seiner Geschichte ausgestaltet. Eine Knallcharge ist nach dem Duden eine Rolle, die durch plumpe, derbe Komik und Übertreibung gekennzeichnet ist.

Als Gestaltungsmittel meint Chargieren eine Überzeichnung, die eine Figur stark typisiert, statt sie individuell auszuarbeiten. Sie kann bewusst eingesetzt werden, etwa zur Verdeutlichung oder für eine komische Wirkung. Als kritische Bewertung bezeichnet das Wort dagegen eine Spielweise, die als übertrieben, unnatürlich oder effekthascherisch wahrgenommen wird. Im Englischen entspricht dem das Verb to overact.

Ein Rollenfach fasst ähnliche Rollen über viele Stücke hinweg zusammen; Typecasting beschreibt die wiederholte Besetzung einer Person in ähnlichen Rollen. Chargieren betrifft dagegen die Gestaltung einer einzelnen Rolle. Ob eine überzeichnete Darstellung angemessen ist, ergibt sich aus Inszenierung und Gattung: In einer Farce oder Komödie kann sie zum vereinbarten Stil gehören, in einer realistisch angelegten Szene als Bruch erscheinen.

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