(Ein Badezimmer. Ein Spiegel, ein Waschbecken, eine Mütze auf dem Rand. Vera, dreiunddreißig, ohne Haare, steht vor dem Spiegel. Sie greift nicht nach der Mütze.)
- Das war die letzte.
- Sechs Zyklen, achtzehn Wochen,
- vierhundertzwölf Tabletten gegen Übelkeit
- und ein Gefühl im Mund wie Alufolie.
- Das war die letzte.
- Ich hab es mir aufgeschrieben, damit ich es glaube.
- Hallo.
- Wir müssen reden, du und ich.
- Ich hab dich lange nicht angesehen.
- Ich hab den Spiegel mit einem Handtuch zugehängt,
- im März, als die Haare in der Bürste blieben,
- büschelweise, wie Herbstlaub, nur nicht so hübsch.
- Du siehst aus wie ein Ei.
- Ein freundliches Ei.
- Ein Ei mit Augenbrauen, wenigstens das,
- die hab ich mir aufgemalt, schief, ich weiß.
- Mama sagt, ich sehe aus wie ein Mönch.
- Ich sage, Mönche lachen nicht so viel.
- Ich will dir jetzt was versprechen.
- Ich werde nicht mehr warten.
- Nicht auf den Sommer, nicht auf das nächste Jahr,
- nicht auf eine Figur, mit der ich mich ins Freibad traue.
- Ich habe achtzehn Wochen gewartet,
- dass eine Flüssigkeit in einem Beutel ihre Arbeit tut.
- Ich bin fertig mit Warten.
- Ich kündige im Callcenter.
- Ich rufe Jonas an und sage ihm, dass er ein Feigling war,
- und dann lege ich auf, bevor er antworten kann.
- Ich lerne Saxofon. Schlecht. Laut.
- Ich fahre ans Meer, mitten in der Woche,
- und ich setze keine Mütze auf. Auch nicht, wenn es stürmt.
- Und wenn sie wiederkommt, die Krankheit,
- in einem Jahr, in fünf Jahren, nie,
- dann soll sie mich finden mitten im Satz,
- mit einem Saxofon in der Hand
- und Sand zwischen den Zehen.
- Nicht vor einem verhängten Spiegel.
(Sie nimmt die Mütze vom Waschbecken und wirft sie in den Wäschekorb.)
- Hallo, ich.
- Schön, dich zu sehen.
Lernmodus: Nur die Anfangsbuchstaben sind sichtbar. Tippe auf einen Vers oder Satz, um ihn aufzudecken.
Ende des Textes

