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Hamartia

Hamartia bezeichnet in der Dramentheorie den Fehler oder Irrtum, durch den die Hauptfigur einer Tragödie nach Aristoteles ins Unglück gerät. In Kapitel 13 seiner Poetik verlangt Aristoteles, dass der Umschlag vom Glück ins Unglück nicht durch Schlechtigkeit, griechisch mochthēria, geschieht, sondern durch eine große hamartia. Die geeignete Figur ist nach seiner Darstellung weder herausragend tugendhaft und gerecht noch schlecht. Als Beispiele nennt er Menschen in großem Ansehen und Glück wie Ödipus und Thyestes.

Wie das Wort zu verstehen ist, wird unterschiedlich gedeutet. Die englische Übersetzung von W. H. Fyfe in der Loeb Classical Library (1932) gibt es mit „flaw“ wieder und erläutert in einer Anmerkung, gemeint sei ein verhängnisvoller Irrtum, ein Fehlurteil, das intellektuell oder moralisch sein könne. Ein Literaturglossar zu Michael Meyers „Bedford Introduction to Literature“ fasst unter Hamartia sowohl eine innere Schwäche wie Gier, Leidenschaft oder Hybris als auch einen Fehler, der aus Umständen außerhalb der Kontrolle der Figur entsteht. Die verbreitete Wiedergabe als tragic flaw, also tragischer Charakterfehler, erfasst damit nur eine der Deutungen.

Hamartia betrifft die Ursache des Unglücks innerhalb der Handlung. Die Peripetie bezeichnet dagegen den Umschlag des Handlungsverlaufs, die Anagnorisis den Übergang vom Nichtwissen zum Erkennen; die Katharsis ist die Wirkung der Tragödie auf das Publikum. Die Fallhöhe beschreibt den Abstand zwischen der hohen Ausgangsstellung einer Figur und ihrem Untergang. Mit moralischer Schuld ist Hamartia nicht gleichzusetzen, denn Aristoteles stellt sie ausdrücklich der Schlechtigkeit gegenüber.

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