Begriff
Stückentwicklung (Devising)
Stückentwicklung bezeichnet die Erarbeitung eines Bühnenstücks im Probenprozess, ohne dass zu Beginn eine fertige Textvorlage vorliegt. Im englischsprachigen Theater ist dafür der Ausdruck Devising gebräuchlich. Darstellende, Regie und weitere Beteiligte entwickeln dabei gemeinsam Material, wählen es aus und fügen es zu einer Aufführung zusammen.
Ausgangspunkte können ein Thema, eine Geschichte, eine Zeitungsnotiz, Beobachtungen und Recherchen oder Improvisationen sein; diese Ausgangspunkte zählt etwa eine Arbeitshilfe von Walter Lex zur Stückentwicklung im Jugendtheater auf. Derselbe Text beschreibt, dass das Schreiben einzelner Szenen oder des ganzen Manuskripts einer Autorin oder einem Autor oder einer Gruppe aus dem Ensemble übertragen werden kann. Auch im professionellen Theater schließt Devising eine Autorschaft nicht aus: Nach dem Begleitmaterial des National Theatre zu „The LeftBehinds“ arbeitete Regisseur Ned Bennett mit dem Autor Ross Willis, den Darstellenden und dem Produktionsteam; Material wurde erzeugt, in eine Abfolge gebracht und bearbeitet.
Der Begriff beschreibt die Entstehungsweise, nicht die spätere Aufführungsform. Eine entwickelte Inszenierung kann einen festgelegten Text und genaue Abläufe haben; im Improvisationstheater entstehen dagegen wesentliche Teile erst während der Vorstellung. Probenverfahren wie Viewpoints können der Entwicklung von Material dienen. Stückentwicklung ist zudem keine Betriebsform: Sie kommt im freien Theater ebenso vor wie am Stadttheater. Arbeiten aus Stückentwicklungen können Merkmale des postdramatischen Theaters haben, sind es aber nicht automatisch.

