Begriff
Estill Voice Training
Estill Voice Training, abgekürzt EVT, ist ein Modell des Stimmtrainings, das die gezielte Steuerung einzelner Strukturen des Stimmapparats lehrt. Begründet hat es die amerikanische Sängerin, Stimmforscherin und Stimmpädagogin Jo Estill (1921–2010). Nach Angaben der Organisation entstand das Programm 1988, zunächst unter dem Namen Estill Voice Craft. Es zielt nach eigener Darstellung nicht auf einen idealen Klang, sondern auf das Verständnis und die Kontrolle des Stimminstruments, um in unterschiedlichen Stilen singen und sprechen zu können.
Grundlage sind die sogenannten Figures for Voice. Eine Kursbeschreibung auf der Website der Organisation nennt dreizehn solcher Figures, mit denen jeweils eine Struktur trainiert wird, etwa die Stimmlippen, die Taschenfalten, Schild- und Ringknorpel, der aryepiglottische Sphinkter oder das Gaumensegel. In einer zweiten Kursstufe werden diese Einstellungen wie Rezepte zu sechs Stimmqualitäten kombiniert: Speech, Falsetto, Sob, Twang, Opera und Belting. Die Namen bezeichnen Klangmodelle im Sinn dieses Systems; Falsetto etwa ist nicht ohne Weiteres mit dem Falsett des klassischen Gesangs gleichzusetzen.
Die Kurse richten sich unter anderem an Singende, Schauspielende, Gesangs- und Sprechlehrkräfte sowie an Logopädinnen und Logopäden; die Organisation bildet eigene Trainerinnen und Trainer aus. EVT ist eine benannte Methode innerhalb der Stimmbildung. Anders als die Linklater-Stimmarbeit, die Bildern und Vorstellungen großes Gewicht gibt, beschreibt es die Stimmgebung über anatomisch benannte Einzelfunktionen. Über eine Wirkung im Einzelfall sagt der Begriff nichts aus.

