Begriff
Rhythmik (Jaques-Dalcroze)
Rhythmik bezeichnet im Sinne von Émile Jaques-Dalcroze (1865–1950) eine künstlerisch-pädagogische Disziplin, die Musik und Bewegung miteinander verbindet. Gebräuchlich sind auch die Bezeichnungen rhythmisch-musikalische Erziehung und Rhythmik/Musik und Bewegung. Die Sächsische Biografie bezeichnet den Schweizer Komponisten und Musikpädagogen als Begründer der Rhythmischen Erziehung. Allgemeinsprachlich meint Rhythmik nach dem Duden auch den rhythmischen Charakter von etwas oder die Lehre vom Rhythmus.
Jaques-Dalcroze entwickelte seinen Ansatz als Lehrer am Genfer Konservatorium, wo er Studierende beim Dirigieren Gehübungen ausführen ließ, um ihre rhythmische Genauigkeit zu verbessern. Von 1911 bis 1914 leitete er die Bildungsanstalt für Musik und Rhythmus in Hellerau bei Dresden. Ihr Lehrplan umfasste unter anderem rhythmische Gymnastik, Gehörbildung, Improvisation und Solfège; daneben gab es einen Theaterkurs. Beim Schulfest 1913 wurde Glucks Oper „Orphée et Euridice“ vollständig gezeigt, mit Bühnenbildern und Lichtregie von Adolphe Appia.
Heute kann Rhythmik an Musikhochschulen als eigenes Fach studiert werden; Rhythmikerinnen und Rhythmiker arbeiten auch mit Tanzenden, Singenden und Schauspielenden. Vom Tempo-Rhythmus Stanislawskis ist der Begriff zu unterscheiden: Jener bezeichnet die zeitliche Gestalt einer szenischen Handlung, Rhythmik dagegen ein pädagogisches Fach. Auch der Rhythmus der Sprache, der zur Prosodie gehört, ist ein anderer Gegenstand. Die Eurythmie ist nach dem Duden eine in der anthroposophischen Bewegung gepflegte Bewegungskunst und nicht mit der Rhythmik gleichzusetzen.

