Begriff
Lippenflattern (Lip Trill)
Lippenflattern, englisch lip trill, bezeichnet eine Stimmübung, bei der die geschlossenen Lippen durch den Ausatemstrom in schnelle Schwingung geraten. Das Flattern kann mit oder ohne gleichzeitige Stimmgebung ausgeführt werden; ein Merkblatt des Hamburger Medical Voice Center umschreibt es als Nachahmen eines Pferdeschnaubens „mit und ohne Stimme“. In der englischsprachigen Fachliteratur kommen daneben die Bezeichnungen lip buzz und lip flutter vor.
Wie Lax Vox gehört das Lippenflattern zu den Übungen mit teilweise verschlossenem Vokaltrakt, abgekürzt SOVTE; die Verengung liegt hier an den Lippen. Die S2k-Leitlinie zu Störungen der Stimmfunktion (Stand Dezember 2022) nennt Trills unter den bekanntesten dieser Übungsformen. Eine elektroglottografische Studie von 2014 zählt das Lippenflattern zu den fluktuierenden Übungen, weil die schwingenden Lippen eine zweite Schwingungsquelle neben den Stimmlippen bilden; als gleichbleibende Übungen gelten dort etwa das Summen oder die Phonation in einen Strohhalm.
Nach einem Fachaufsatz des Stimmforschers Ingo Titze von 2006 werden solche Trills mit Lippen oder Zunge seit Langem in Stimmtherapie, Gesangsunterricht und Stimmtraining verwendet. Im Unterschied zur Phonation durch einen Schlauch kommt das Lippenflattern ohne Hilfsmittel aus. Der Begriff benennt eine Übungsform; über ihre Wirkung im Einzelfall sagt er nichts aus.

