Begriff

Regietheater

Regietheater bezeichnet Theater, in dem die Deutung eines Stücks durch die Regie in den Vordergrund tritt. Der Duden umschreibt es als Theater, bei dem die Regie „im Sinne einer Interpretation der Stücke“ großes Gewicht erhält. Der Ausdruck wird für Schauspiel und Oper gebraucht. Er benennt keine klar umrissene Stilrichtung, sondern ist vor allem ein Wertungs- und Streitbegriff.

Als Schlagwort der Theaterkritik ist Regietheater seit den 1970er-Jahren verbreitet. Zunächst war es abwertend gemeint: für Inszenierungen, in denen nach Ansicht der Kritik die Einfälle der Regie gegenüber Text und Darstellenden, im Musiktheater auch gegenüber der Musik, zu viel Raum einnehmen. Beanstandet werden etwa Zusätze, Kürzungen oder die Verlegung der Handlung in eine andere Zeit. Befürworter verwenden den Ausdruck auch anerkennend, für eine Theaterarbeit, die ältere Werke für ein heutiges Publikum neu befragt und die Regie als eigenständige künstlerische Autorschaft versteht. In einem 2008 erschienenen, von Ortrud Gutjahr herausgegebenen Band kritisierten die Regisseure Thomas Ostermeier und Nicolas Stemann, das Etikett diene oft dazu, Inszenierungen pauschal abzuhaken.

Den Gegenbegriff bildet die Werktreue. Nach dem Theaterwissenschaftler Christopher Balme gehören beide Ausdrücke zu einer Debatte, die bis an den Anfang des 20. Jahrhunderts zurückreicht, als Regie als künstlerische Tätigkeit verstanden wurde. Streng genommen ist die Bezeichnung ein Pleonasmus, da Theater ohne Regie kaum denkbar ist; darauf weist etwa das Richard Wagner Museum in Bayreuth hin. Regietheater ist deshalb kein Synonym für Inszenierung. Auch das postdramatische Theater meint etwas anderes: Es behandelt den Dramentext nicht mehr als Zentrum der Aufführung, während sich der Streit um Regietheater meist an Inszenierungen vorhandener Stücke entzündet.

Wissen entdecken

Weitere Begriffe alphabetisch auswählen oder in der Übersicht suchen.