Begriff
Durchlässigkeit
Durchlässigkeit bezeichnet in der Schauspielausbildung die Fähigkeit, Impulse aufzunehmen, sie zu bewerten und daraus eine sichtbare Reaktion folgen zu lassen, die über Körper und Stimme nachvollziehbar ist. So bestimmt das Glossar zum Bachelorstudiengang Schauspiel der Münchner Hochschule für Musik und Theater den Begriff in der Fassung von 2015. Allgemeinsprachlich meint das Wort eine durchlässige Beschaffenheit, im übertragenen Sinn auch die Möglichkeit von Austausch und Wechsel.
In Lehrplänen erscheint der Ausdruck vor allem im Körper-, Bewegungs- und Sprechunterricht. Die Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ nennt eine „präsente und durchlässige Grundhaltung“ und die Erweiterung der körperlichen Durchlässigkeit. Die Hamburger Hochschule für Musik und Theater beschreibt als Ziel eine „für Gedanken und Emotionen durchlässige Stimme“, das aktuelle Münchner Modulhandbuch eine „verbesserte Durchlässigkeit“ in der Körperarbeit. Der Begriff benennt damit eine Voraussetzung des Spiels, keine einzelne Technik.
In einem fiktiven Beispiel erfährt eine Figur unerwartet von einem Verlust; Atem, Haltung und Stimme verändern sich hörbar und sichtbar, bevor sie antwortet. Die Meisner-Technik richtet ihre Ausbildung besonders auf Reaktionen, die aus der Begegnung mit dem Gegenüber entstehen, und das Partnerspiel bezeichnet das Wechselverhältnis in einer Szene. Durchlässigkeit ist dagegen ein methodenübergreifender Ausbildungsbegriff für die Fähigkeit der einzelnen Darstellenden, solche Impulse zuzulassen. Im Bildungswesen hat das Wort eine andere Bedeutung, etwa wenn ein Schulwesen durchlässiger gestaltet werden soll.

