Begriff
Stimmsitz
Stimmsitz bezeichnet in Gesangspädagogik und Sprecherziehung die Empfindung, an welcher Stelle eine Stimme zu klingen scheint, etwa im vorderen Mundbereich, an der Stirn oder in der sogenannten Maske. Gemeint ist eine Klangeinstellung durch die Ansatzräume, vor allem Rachen- und Nasenraum, die über solche Vibrationsempfindungen wahrgenommen und gesteuert wird. Gleichbedeutend werden Tonsitz und teils Tonansatz gebraucht.
Physiologisch sitzt die Stimme nirgendwo. Der Ton entsteht im Kehlkopf und wird im Ansatzrohr geformt; bestimmte Resonanzverhältnisse lösen dabei spürbare Vibrationen an Knochen und Schleimhäuten aus. Das Glossar des Münchner Schauspielstudiengangs beschreibt den Begriff deshalb als einen „auf fiktiver Vorstellung beruhenden ‚Sitz‘ im Kopfbereich“. Eine verbreitete Vorstellung ist der Vordersitz: Das Klangzentrum wird im vorderen Mundbereich oder im Nasen-Stirn-Bereich empfunden, was Singende auch als Singen „in die Maske“ beschreiben.
In Lehrplänen erscheint der Stimmsitz bei Gesang und Sprechen, etwa als „Resonanzschulung (Stimmsitz)“. Die Resonanz bezeichnet den akustischen Vorgang, die Filterwirkung des Sprechtrakts auf den Schall; der Stimmsitz ist eine Wahrnehmungs- und Unterrichtsvorstellung, mit der dieser Vorgang beeinflusst werden soll. Eine gesangspädagogische Dissertation vergleicht ihn mit dem Begriff Atemstütze: Beide sind seit Langem im Unterricht verankert, obwohl sie physiologisch nicht wörtlich zu nehmen sind. Vom Stimmeinsatz, dem Beginn der Stimmlippenschwingung, ist der Stimmsitz ebenfalls zu unterscheiden.

