Begriff

Tschechows Gewehr

Tschechows Gewehr bezeichnet das Erzählprinzip, dass jedes ausdrücklich eingeführte Element einer Geschichte eine Funktion haben soll. Was dem Publikum auffällig gezeigt oder angekündigt wird, weckt die Erwartung, später eine Rolle zu spielen; Überflüssiges soll entfallen. Gebräuchlich sind auch die Bezeichnungen Tschechows Waffe und englisch Chekhov’s Gun.

Der Name geht auf den russischen Schriftsteller und Dramatiker Anton Tschechow zurück. In einem Brief vom 1. November 1889 beurteilte er das erste Vaudeville des Schriftstellers Alexander Lasarew-Grusinski. Ein einleitender Monolog verspreche dem Publikum viel, habe aber keinen Bezug zu Inhalt oder Wirkung des Stücks. Sinngemäß übersetzt schrieb Tschechow, man dürfe kein geladenes Gewehr auf die Bühne stellen, wenn niemand vorhabe, daraus zu schießen. Nach dem Kommentar der russischen Briefausgabe hatte er den Gedanken schon im Sommer 1889 gegenüber Ilja Gurljand geäußert: Hänge im ersten Akt eine Pistole an der Wand, müsse sie im letzten schießen.

Das Prinzip betrifft die Ökonomie einer Erzählung und die Erwartungen, die sie weckt. Das vorbereitete Element kann eine Requisite sein, aber auch eine Äußerung oder ein Detail der Exposition. In jüngerem Gebrauch bezeichnet der Ausdruck auch allgemein ein früh eingeführtes Element, dessen Bedeutung sich erst später zeigt. In einem fiktiven Beispiel bemerkt das Publikum in der ersten Szene einen Ersatzschlüssel unter einem Blumentopf; später verschafft sich damit eine Figur Zugang zur Wohnung. Mit der Chekhov-Technik, dem Schauspielansatz von Tschechows Neffen Michael Chekhov, hat der Begriff nichts zu tun.

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