Begriff
Offenes und geschlossenes Drama
Offenes und geschlossenes Drama bezeichnen zwei gegensätzliche Bauformen dramatischer Texte. Die Unterscheidung geht auf den Literaturwissenschaftler Volker Klotz zurück, der sie 1960 in seinem Buch „Geschlossene und offene Form im Drama“ vorlegte. Die beiden Formen sind als Idealtypen gedacht: Eine eindeutige Zuordnung einzelner Stücke ist oft nicht möglich, und derselbe Autor kann Werke beider Art schreiben.
Im geschlossenen Drama führt eine einheitliche, in sich abgeschlossene Haupthandlung in ursächlich verknüpften Szenen auf einen festen Schluss zu. Zeit und Ort sind begrenzt, die Zahl der Figuren ist klein, die Sprache einheitlich und häufig in Versen gestaltet. Als Beispiel gilt Goethes „Torquato Tasso“. Das offene Drama verbindet dagegen mehrere Handlungsstränge und relativ selbstständige Szenen. Es umfasst längere Zeiträume und viele Schauplätze, zeigt zahlreiche Figuren ohne ständische Beschränkung und mischt Sprachebenen bis zur Alltagssprache. Beispiele sind Goethes „Götz von Berlichingen“, Lenz’ „Die Soldaten“ und Büchners „Woyzeck“.
Die geschlossene Form wahrt die drei Einheiten von Handlung, Ort und Zeit, die offene verzichtet auf sie. Die Begriffe dienen der Analyse und werden bis heute etwa im Schulunterricht verwendet; sie bewerten kein Stück und schreiben keine Spielweise vor. Das epische Theater teilt mit der offenen Form manche Mittel wie eine lockere Szenenfolge, ist aber ein eigenes Konzept mit dem Ziel einer betrachtenden Haltung des Publikums.

