Begriff
Heldenreise
Die Heldenreise ist ein Erzählmodell, das eine typische Abfolge von Stationen und Figuren in Mythen, Romanen und Filmen beschreibt. Ihr Kern ist der Weg einer zentralen Figur aus ihrer vertrauten Welt in einen unbekannten Bereich, in dem sie Prüfungen besteht, und ihre Rückkehr mit einem Gewinn. Gebräuchlich sind auch die Bezeichnungen Heldenfahrt, Monomythos und englisch Hero’s Journey.
Das Modell geht auf den amerikanischen Mythenforscher Joseph Campbell zurück. In seinem Buch „The Hero with a Thousand Faces“ von 1949, deutsch „Der Heros in tausend Gestalten“, fasst er Mythen verschiedener Kulturen zu einem Grundmuster aus Aufbruch, Initiation und Rückkehr zusammen; den Ausdruck Monomythos übernahm er von James Joyce. George Lucas berief sich für „Star Wars“ (1977) auf Campbell. In die Drehbuchlehre brachte das Modell vor allem der Story-Berater Christopher Vogler. Sein Buch „The Writer’s Journey“, erstmals 1992 erschienen, gliedert die Reise in zwölf Stationen vom Ruf des Abenteuers bis zur Rückkehr mit dem Elixier. Dazu beschreibt er wiederkehrende Figurenrollen wie Held, Mentor, Schwellenwächter, Schatten und Trickster.
Nach Campbell müssen nicht alle Stationen in jeder Geschichte vorkommen; nur die drei Hauptphasen bilden den Kern. Die Heldenreise ist deshalb ein Modell zur Analyse und zum Schreiben, keine Vorschrift. Kritisiert werden sowohl ihr Anspruch auf Allgemeingültigkeit als auch vereinfachte Formeln für das Erzählen. Von der Drei-Akt-Struktur unterscheidet sie sich im Gegenstand: Diese gliedert eine Handlung in Anfang, Mitte und Ende, die Heldenreise beschreibt typische Situationen und Figurenrollen auf dem Weg einer Hauptfigur.

