Begriff

Überaufgabe

Die Überaufgabe bezeichnet im Stanislawski-System das übergeordnete Ziel, auf das alle einzelnen Aufgaben einer Aufführung ausgerichtet sind. Der russische Ausdruck sverchzadača wird im Deutschen mit Überaufgabe übersetzt, im Englischen mit superobjective oder supertask. Die Varianten gehen auf das Wort zadača zurück, das Übersetzungen als objective, task oder problem wiedergeben.

Stanislawski bezog die Überaufgabe zunächst auf das ganze Werk: Gemeint ist der Grundgedanke, der eine Autorin oder einen Autor zum Schreiben bewegt hat und der die Arbeit der Darstellenden leiten soll. Alle kleineren Aufgaben, Vorstellungen und Handlungen sollen in diese Richtung zusammenlaufen. Ebenso lässt sich eine Überaufgabe für eine einzelne Rolle bestimmen. Wie sie benannt wird, ist nach Stanislawski für die Deutung entscheidend; er empfahl dafür wie bei den einzelnen Aufgaben eine Formulierung mit einem Verb, weil sie stärker zum Handeln anregt.

In seinem Lehrbuch schildert die Lehrerfigur Torzow dazu eine eigene Arbeit an Molières „Der eingebildete Kranke“. Die erste Formulierung „Ich will krank sein“ machte aus der Komödie beinahe eine krankhafte Tragödie. Erst „Ich will für krank gehalten werden“ brachte die komische Seite hervor. Das Spielziel beschreibt dagegen, was eine Figur in einer bestimmten Begegnung erreichen will. Die Überaufgabe verbindet solche Ziele über das ganze Stück; die durchgehende Handlung ist die zusammenhängende Linie, auf der die Figur ihr zustrebt.

Wissen entdecken

Weitere Begriffe alphabetisch auswählen oder in der Übersicht suchen.