Begriff

Theater der Unterdrückten

Theater der Unterdrückten bezeichnet eine Reihe von Theatermethoden des brasilianischen Regisseurs und Theatertheoretikers Augusto Boal. Sie sollen Zuschauende aus einer bloß betrachtenden Rolle lösen und Theater zu einem Mittel machen, gesellschaftliche Konflikte gemeinsam zu untersuchen und Handlungsmöglichkeiten zu erproben. Boal stellte den Ansatz 1974 in seinem gleichnamigen Buch vor und entwickelte ihn im Exil, unter anderem in Frankreich, weiter.

Die bekannteste Form ist das Forumtheater. Eine Szene zeigt einen ungelösten Konflikt; sie wird anschließend erneut gespielt, und Zuschauende können eingreifen, eine Rolle übernehmen und anderes Verhalten ausprobieren. Boal nannte sie Spect-actors, also zuschauende Mitspielende. Eine Spielleitung, der Joker, erklärt die Regeln und moderiert, ohne den Ausgang festzulegen. Zum Methodenkreis gehören außerdem das Bildertheater, in dem Gedanken und Verhältnisse als Körperbilder sichtbar werden, das Unsichtbare Theater mit nicht angekündigten Szenen im öffentlichen Raum und das Legislative Theater. Dieses nutzte Boal als Mitglied des Stadtrats von Rio de Janeiro, um mit Beteiligten Vorschläge für Gesetze zu entwickeln.

In einem fiktiven Beispiel zeigt eine Gruppe, wie eine Auszubildende vor ihrem Team bloßgestellt wird; eine Zuschauerin übernimmt die Rolle und versucht einen anderen Umgang mit der Situation. Das Theater der Unterdrückten nutzt Improvisation, ist aber nicht mit Improvisationstheater gleichzusetzen, bei dem das gemeinsame Entwickeln von Szenen während der Aufführung im Vordergrund steht. Hier geht es um die gemeinsame Auseinandersetzung mit einem vorbereiteten Konflikt und um mögliche Veränderungen.

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