Begriff

Viewpoints

Viewpoints bezeichnet ein Vokabular und Trainingssystem für Improvisation und szenische Komposition. Es richtet die Aufmerksamkeit auf Grundbestandteile des Bühnengeschehens wie Zeit, Raum, Form und Bewegung. Eingesetzt wird es häufig im Ensemble, sowohl im Training als auch bei der Entwicklung von Inszenierungen.

Die Grundlage entwickelte die Choreografin Mary Overlie in den 1970er-Jahren als Six Viewpoints: Space, Shape, Time, Emotion, Movement und Story. Anne Bogart, später Mitgründerin der SITI Company, lernte diese Arbeit 1979 an der New York University kennen, wo beide am Experimental Theatre Wing unterrichteten. Gemeinsam mit Tina Landau übertrug sie den Ansatz auf Schauspiel und Regie. Ihr Buch „The Viewpoints Book“ von 2005 unterscheidet Viewpoints der Zeit, etwa Tempo, Dauer, kinästhetische Reaktion und Wiederholung, und Viewpoints des Raums, etwa Form, Geste, Architektur, räumliche Beziehung und Topografie. Wie das Buch die Entstehungsgeschichte darstellt, wird in der Theaterwissenschaft teilweise kritisch diskutiert.

In einem fiktiven Beispiel bewegt sich ein Ensemble durch den Raum und reagiert unmittelbar darauf, dass andere anhalten oder schneller werden; daraus können Bilder und Abläufe für eine Szene entstehen. Viewpoints berührt damit die Proxemik und körperbetonte Spielweisen wie Physical Theatre. Der Begriff benennt jedoch weder eine Theaterform noch eine Methode der psychologischen Rollenvorbereitung, sondern ein gemeinsames Arbeitsvokabular für zeitliche und räumliche Entscheidungen.

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