Begriff

Verssprechen

Verssprechen bezeichnet das Sprechen von Texten in gebundener Sprache, also in Versen mit festem metrischen und rhythmischen Bau. Im Schauspiel ist damit vor allem die Arbeit an Versdramen gemeint, etwa an Stücken der griechischen Antike, Shakespeares oder der deutschen Klassik. Der Begriff benennt eine sprecherische Praxis, nicht die Versform selbst.

Dabei werden Versmaß, Rhythmus und Versgrenzen mit dem Sinn der Sätze, der Situation und der Absicht einer Figur verbunden. Satzgrenzen und Zeilenenden fallen nicht immer zusammen; wie deutlich das Ende einer Verszeile hörbar wird, ist eine Gestaltungsentscheidung. Schauspielhochschulen unterrichten diese Arbeit in eigenen Lehrveranstaltungen. Die Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ nennt etwa das Erkennen und die sprecherische Realisierung von Rhythmus und Metrik sowie das Analysieren und Sprechen von Versdramatik als Lernziele.

Auch Prüfungen können Verse verlangen. Nach der Ausbildungs- und Prüfungsordnung der Theaterakademie Köln in der Fassung von 2020 muss einer der selbst erarbeiteten Monologe aus dem klassischen Repertoire stammen und in gebundener Sprache verfasst sein. Solche Vorgaben gelten jeweils für die betreffende Einrichtung.

Blankvers und Metrum beschreiben Versformen und ihre Ordnung; Verssprechen meint deren Umsetzung im Sprechen. Die Prosodie umfasst Betonung, Sprechmelodie und Pausen allgemein, auch in Prosa. Die Sprecherziehung ist das umfassendere Lehrfach des Sprechens, zu dem die Arbeit am Vers gehören kann.

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