Begriff

Postdramatisches Theater

Postdramatisches Theater bezeichnet Theaterformen, die nicht mehr von einem Dramentext als Zentrum und Maßstab der Aufführung ausgehen. Sprache, Körper, Raum, Klang und Bild können darin gleichrangige Mittel sein; der Text ist ein Material unter mehreren. Theoretisch ausgearbeitet hat den Begriff der Theaterwissenschaftler Hans-Thies Lehmann in seinem Buch „Postdramatisches Theater“ von 1999.

Lehmann beschrieb damit Entwicklungen seit den späten 1960er-Jahren und untersuchte unter anderem Arbeiten von Robert Wilson, Tadeusz Kantor, Heiner Müller und der Wooster Group. In der Theaterwissenschaft wird in diesem Zusammenhang von einer Enthierarchisierung der szenischen Zeichen gesprochen. Eine Aufführung muss demnach keine geschlossene Handlung mit psychologisch geführten Figuren darstellen. Sie kann ihren eigenen Vorgang, die Anwesenheit der Darstellenden und die Wahrnehmung des Publikums in den Vordergrund rücken.

Der Begriff beschreibt eine Tendenz und keine Gattung mit festen Regeln. Auch in postdramatischen Arbeiten kann gesprochener Text großes Gewicht haben; Schauspielhochschulen behandeln postdramatische Theatertexte als eigenen Gegenstand der Textanalyse. Das epische Theater Brechts hält dagegen an einer erzählten Handlung fest, auch wenn es die Einfühlung des Publikums durchbricht. Dokumentarische oder gemeinsam entwickelte Inszenierungen können postdramatische Merkmale haben, sind aber nicht automatisch postdramatisch.

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